Und manchmal kommt es anders als man denkt

Zum Abschluss des Vereinsjahres referierte Cyril Alther, Gründer und geschäftsführender Präsident der Stiftung sahee, über Erfahrungen und Schlussfolgerungen zur Entwicklungszusammenarbeit mit Ländern im Süden. Das Referat basierte vor allem auf einer dreimonatigen Feldstudie bei über 30 Projekten in Peru. Ja, unsere Hilfe zeigt Wirkung, stellte er fest, aber nicht immer so, wie er dies erwartet hatte.

Es war ein schöner und passender Abschluss eines ereignisreichen Vereinsjahres. Und das Referat von Cyril Alther passte zu diesem Jahr. Der 56jährige Ethnologe der Universität Zürich hatte die Stiftung sahee (sustainability for agriculture, health, education and environment) 2006 gegründet und leitet sie bis heute als geschäftsführender Präsident. Was bringt’s? Das ist eine Frage, die wir uns auch für das eigene Tun und Lassen gelegentlich stellen dürfen und stellen sollen. Die Zeit gegen das Jahresende eignet sich dafür ganz besonders.

Menschen erinnern sich an Zusammenarbeit

Die Stiftung sahee konzentriert ihre Entwicklungszusammenarbeit auf die Länder Peru in Lateinamerika und Eswatini (ehemals Swaziland) im südlichen Afrika. sahee unterstützt Projekte, die im Einklang mit den nachhaltigen Entwicklungszielen der Uno (SDG) stehen. Besonders wichtig sind ihr Projekte in den Bereichen Ausbildung, Umweltschutz und Gesundheit. Auch der Bereich nachhaltige Landwirtschaft bleibt für sahee ein zentrales Anliegen, da er direkten Einfluss auf die beiden ersten SDGs hat: Die Auslöschung von Hunger und Armut. sahee bemüht sich, ihre Partnerschaften mit ihren Partnerorganisationen im Süden zu pflegen  und stetig zu vertiefen. Sie wählt neue Partner vorsichtig und wenn immer möglich erst nach einem persönlichen Besuch vor Ort und der Analyse eines Projektes der Organisation aus. Über einen zweistufigen Prozess nähert sie sich neuen Partnern an: Zuerst beschränkt sich die Unterstützung eines Projektes auf  CHF 10’000 und die Dauer eines Jahres. Falls dieses “Kennenlern-Jahr” für beide Seiten positiv war,  kann darauf eine langfristige Zusammenarbeit mit höheren Beiträgen aufgebaut werden.

2019 besuchte Cyrill Alther während über drei Monaten über 30 ehemalige Projekte in Peru, teilweise zusammen mit einem lokalen Experten, teilweise besuchten sie ehemalige Partner je alleine. Hier fand Cyril Alther einen ersten grossen Unterschied. Während er als Ausländer und als Präsident der Stiftung keine Mühe hatte, auf offene Türen zu stossen, fiel es dem einheimischen Experten schwerer, Termine für Besuche zu vereinbaren. Es wurde klar, dass ein Besuch des Stiftungsvertreters (in der Hoffnung auf weitere Unterstützung) ganz anders wahrgenommen wurde als jener des lokalen Forschers. Die Antworten fielen daher verschieden gefärbt aus Eine zweite unerwartete Überraschung war, dass sahee teilweise Projekte und Erfolge zugeschrieben wurden, welche in Wirklichkeit von anderen NPOs (Non-Profit-Organisationen), die auf das von sahee unterstützte Projekt gefolgt waren, erbracht worden waren. Ebenfalls interessant war die Beobachtung, dass sich  unter den Projektteilnehmenden viele Erinnerungen an Begegnungen und Projektinhalte erhalten hatten und Verhaltensänderungen, z.B. in Familien bewirken konnten. Und immer wieder versicherten ehemalige Projektpartner, dass die Unterstützung aus der fernen Schweiz sie zu eigenen und weitergehenden Initiativen und Projekten ermutigt hatte.

Was bleibt?

Pandemiebedingt konnte Cyril Alther in diesen beiden Jahren keine Projekte vor Ort besuchen. Dies ist aber keine der Erkenntnisse aus der Wirkungsanalyse. Er will die Pflege der Kontakte und des Netzwerks vor Ort eher verstärken, denn abbauen. Ebenso will die Stiftung die Ausarbeitung von Arbeitsgrundlagen und Guidelines weiter ausbauen. Cyril Alther bringt seine Erfahrungen auch in den Dachverband von Schweizer Stiftungen, der Swiss Foundations ein, wo er in der Arbeitsgruppe “Internationale Zusammenarbeit” aktiv mitwirkt.

Die Anwesenden dankten Cyril Alther mit vielen Fragen und langanhaltendem Applaus für seine interessanten, offenen und klugen Beobachtungen und Ausführungen. Zum Abschluss des Jahres durften wir einem feinen Menschen zuhören, spürten sein Engagement und sein Bemühen, besser zu verstehen, was denn sein persönliches und berufliches Engagement bringe. In dem Sinne regte er uns alle auch an, diese Fragen auch an uns selber zu richten. Herzlichen Dank!

Roland Gröbli, Präsident VCU Regionalgruppe Zürich

Die Folien zum Vortrag

 

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