Zweites 24h-TimeOut in der Propstei Wislikofen

Bei schönstem Herbstwetter durften wir vom 1. auf den 2. Oktober das zweite 24h-TimeOut geniessen. Der Pilgerweg führte uns diesmal von Kaiserstuhl (AG) dem Rhein entlang (siehe Titelbild) zur Propstei Wislikofen. Nicht nur das Wetter war uns hold, von A bis Z genossen alle den offenen und anregten Gedanken- und Meinungsaustausch im Kreis der 17 Teilnehmenden. Ein herzliches Dankeschön an Myriam Mathys, die uns dieses schöne Erlebnis mit ihrer gewohnt sorgfältigen Vorbereitung und Durchführung ermöglicht hat.

“Pilgern – Begegnen – Erfahren”. Diesen drei Zielen ist jedes 24h-TimeOut verpflichtet. Auch die zweite Auflage nach 2020 (Kloster Kappel am Albis) wurde diesem Anspruch vollauf gerecht. Da ein Grossteil der Teilnehmenden auch vor Jahresfrist dabei gewesen war, brauchte es weder eine Kennlern- noch eine Aufwärmphase. Bereits vom HB Zürich bis Kaiserstuhl am Rhein herrschte ein munteres Fragen und Antworten. Dem Rhein entlang galt es immer wieder, sich in Einerkolonne einzureihen. Das bot Gelegenheit, das herrliche Herbstwetter und den tiefblauen Fluss (siehe Titelbild) zu geniessen. Diese mystische Stimmung nehmen wir als Erinnerung gerne mit in unseren Alltag.

Eine Unternehmerin erzählt

Nach dem ausgezeichneten Nachtessen, doch davon später mehr, erzählte uns Ulrike Clasen, Gründerin und langjährige Geschäftsführerin von Netzwerk Kadertraining, mehr aus ihrem spannenden Leben. Vater wie Mutter von Ulrike Clasen sind 1926 geboren. Die Mutter, sie lebt noch, ist in der Bukowina (Rumänien) geboren und kam, nach vielen Entbehrungen und Umzügen, nach Ende des Zweiten Weltkrieges als deutschstämmiger Flüchtling, und zusammen mit ihrer Familie, nach Westdeutschland. Hier lernte sie den Vater kennen, der als 17jähriger in den Krieg eingezogen worden war. Diese Erfahrungen der Eltern prägten auch die Kinder der Familie. Nie aufgeben, Leistung erbringen, immer nach vorne schauen, und immer eine Lösung sehen, waren deshalb Grundsätze, welche sie mit in ihr eigenes Leben nahm, das sie als 29jährige Frau in die Schweiz führte.

Obwohl keineswegs in ihre Wiege gelegt, wagte sie, nach mehreren Kaderstellen im Personalbereich verschiedener Firmen (nach einer KV-Lehre hatte sie auch zwölf Jahre bei der Polizei gearbeitet) mit 48 Jahren den Sprung in die erste Selbständigkeit. Das gemeinsame Unternehmen mit zwei Partnern in der noch jungen IT-Branche war zwar wirtschaftlich erfolgreich, doch funktionierte die Zusammenarbeit nicht. Nun selbst arbeitslos, erlebte sie wie Führungskräfte in Standortbestimmungen der Arbeitsmarktlichen Massnahmen alles andere als zielgruppengerecht behandelt wurden. Es blieb bei Ulrike Clasen nicht beim Klagen, sondern – typisch Unternehmerin – entwickelte sie daraus eine Idee, welche allmählich zum heutigen Unternehmen Netzwerk Kadertraining führte.

Mit langanhaltendem Applaus verdankten wir Ulrike ihre Offenheit, ihren Schalk und die positive Grundhaltung, in welcher sie uns an ihrem Leben teilhaben liess. Und obwohl altersmässig bereits dem dritten Alter angehörend, liess sie mit ansteckender Lebensfreude und -energie mehr als deutlich durchblicken, dass sie sich zwar auf grössere freie Zeiten und grössere geografische Nähe zu ihrer Familie freut, aber auch beruflich noch zahlreiche Pläne hat. Nur einem wird sie treu bleiben: Es muss mit Menschen zu tun haben – und sie wird dies in selbständiger Tätigkeit tun.

Dieses Gespräch war der Auftakt zu einer gemütlichen Fortsetzung im Propsteikeller, wo uns gute Tropfen sowie drei schön hergerichtete Fleisch- und Käseplatten erwarteten. Mit genügend Tranksame meisterten wir im Verlaufe des Abends auch diese Anforderung.

Schnellkurs in Sachen Kräuter und Pesto

Getreu dem Motto, auch Neues zu erfahren, hatte Myriam Mathys für Samstagmorgen einen Kräuterkurs mit dem Chefkoch der Propstei Wislikofen organisiert. Olaf Kampitschke erwies sich nicht nur als ausgewiesener Kräuterkenner, er glänzte auch als Erzähler kulinarischer Kürzestgeschichten. Etwas beschämt wurde ich mir bewusst, wie wenig Beachtung ich am Vorabend beim ausgezeichneten Nachtessen den Kräutern geschenkt hatte, welche nicht nur jeden Gang geschmacklich, sondern eben auch fürs Auge schöner gemacht hatten. Und wussten Sie, dass sich Pesto auch ausgezeichnet zu Süssspeisen, zum Beispiel in Honig eingelegten Feigen eignet? Und dass sich auch süsse Varianten herstellen lassen? Nun, Olaf Kampitschke konnte uns alle problemlos mit einem «Probiererli» von letzterem überzeugen. Und das rezente Pesto, welches er im Nu (aus Schweizer Zutaten) herstellte, durften wir am Schluss gar als kleines Geschenk mit nach Hause nehmen.

Der abschliessende Rundgang durch die Propstei, die in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gründlich renoviert worden war und seither als Bildungszentrum der Katholischen Kirche des Kantons Aargau dient, war der schöne Abschluss des 24h TimeOuts, das fast auf die Minute genau nach 24h wieder im Hauptbahnhof Zürich endete.

Nochmals ein grosses Dankeschön an Myriam für die tolle Organisation und alle Teilnehmenden für die offenen und spannenden Gespräche. Das nächste TimeOut planen wir für 2023, so dass nächstes Jahr Platz für ein etwas anderes Gefäss mit ähnlicher Ausrichtung besteht.

Text: Roland Gröbli; Bilder: Myriam Mathys und Roland Gröbli

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